02.05.2012 - Döbelner Biker mit Frauenpower in Italien

 

Für die Döbelner Mountainbiker ist das Wochenende um den Maifeiertag traditionell der Start in die scharfe Wettkampfsaison. So sind Sie auch in diesem Jahr aufgebrochen, um in Italien den ersten Lauf zur Marathon Men Europe Serie zu bestreiten. Dieser findet im Rahmen des 19. Sympatex Bike Festivals in Riva del Garda statt. Der kleine malerische Ort am Ufer des Gardasees wird zu dieser Zeit zum Mekka des europäischen Mountainbike Sports bei dem Fahrer, Zuschauer und Hersteller aus allen europäischen Ländern aufeinandertreffen.

In diesem Jahr hatten die Herren der Abteilung Radsport zum 1. Mal in Ihrer mehr als 10 Jährigen Geschichte weibliche Unterstützung an ihrer Seite. Neben Tobias Sachse, Sven Wallrabe und Jens Böber war auch Sybille Wallrabe mitgereist, um kräftig in die Pedalen zu treten. Svens Ehefrau ist schon seit längerem Mitglied bei den Radsportlern aber bislang noch ohne Wettkampferfahrung. Besonders ehrgeizig hat sie im Frühjahr trainiert und war nun bereit für Ihre erste Herausforderung. Mit einem realistischen Blick auf Ihr Können hat Sie sich voll auf die Kurzstrecke von 27 Kilometern und 600 Höhenmetern konzentriert. Sven Wallrabe war in diesem Jahr nur als moralische Unterstützung dabei. Er konnte sich gesundheitsbedingt nur eingeschränkt auf Wettkämpfe vorbereiten. So nutzte er das Engagement seiner Frau um einige Trainingskilometer zu absolvieren und trat ebenfalls auf der Kurzdistanz an. Tobias Sachse, der erst wenig alpine Erfahrungen mit dem Mountainbike sammeln konnte, hatte das ehrgeizige Ziel die mittlere Distanz von 85 Kilometern mit 2700 Höhenmetern zu bewältigen während Jens Böber die „Ronda Extrema“ über 105 Km und 3500 Höhenmetern anvisiert hatte.

 

Bereits zwei Tage vor dem Wettkampf angereist nutzten alle Döbelner die Zeit für einige Trainingseinheiten und um das Material an die harten Anforderungen das Geländes anzupassen. So mussten noch kurzfristig neue Bremsscheiben und Beläge montiert werden. Auf den langen, steilen Abfahrten wäre ein Ausfall der Bremsanlage vorhersehbar gewesen und hätte zur Aufgabe im Rennen geführt. Bestens vorbereitet konnten so die vier Starter des Döbelner SC an den Start gehen. Die am Vortag erbarmungslos scheinende Sonne hatte ein Einsehen mit den Athleten und versteckte sich zeitweise hinter den Wolken. Die Temperaturen konnten mit ca. 20 Grad kaum besser sein als um 7.45 Uhr der Startschuss fiel. In insgesamt fünf Startblöcken wälzten sich 2300 Teilnehmer zunächst durch das kleine Örtchen Riva um dann in den Olivenhainen entlang der schroffen Berge zu verschwinden. An ein zügiges Vorankommen ist dabei für die meisten Fahrer zu Beginn nicht zu denken. Auf den schmalen Pfaden kam es wie in jedem Jahr zum Stau, mehr als Schritttempo war auf den ersten 2 Kilometern kaum möglich. Danach entzerrte sich das Fahrerfeld und jeder konnte sein Tempo suchen. Für Tobias und Jens waren zuerst gleich 1100 Höhenmeter am Stück zu überwinden. Von anderen Fahrern unbeeinflusst hausierten beide vom Start weg gut mit Ihren Kräften. Sich an den Konkurrenten zu orientieren fällt schwer, da nur jeder selbst weiß welche Distanz er fährt. Nach 1:15 Stunde war für Jens der erste Berg geschafft, Tobias folgte 15 Minuten danach. Zu dieser Zeit war Sybille bereits an Ihrem zweiten und schwersten Anstieg mit 300 Metern Höhenunterschied. Mit guten Beinen und lockerem Tritt kämpfte sie Meter für Meter und fand Gefallen daran, sich Ihre Gegner zurecht zu legen. „Wenn man sieht, wie sich die anderen Quälen können fällt es einem selbst viel leichter“ befand Sybille danach.

Für Jens Böber und Tobias Sachse ging es stattdessen auf engen verblockten und sehr steilen Trails ins Tal. Der Gardasee Marathon stellt hier in Sachen Fahrtechnik die höchsten Anforderungen im Rennkalender der Döbelner. „Am besten man hat freie Fahrt, sonst wird es manchmal etwas brenzlig.“ äußerte sich Tobias im Ziel. Unbeschadet meisterten beide diese Schwierigkeiten. Im folgenden Mittelteil der Strecke gab es ein ständiges bergauf und bergab. Tobias konnte nur schwer wieder einen Rhythmus finden. Er hatte am ersten Anstieg schon zu viel investiert. Daher entschied er sich gegen sein eigentliches Ziel und bog schon vorzeitig Richtung Ziel ab. Er beendete die 52 Kilometer Strecke nach 3 Stunden 23 Minuten auf Platz 211 von 365 Männern seiner Altersklasse.  Für Jens lief es unterdessen alles nach Plan. Aus den Vorjahren kannte er die Strecke und kam gut vorwärts. Bis zur letzten Streckenteilung bei Kilometer 70 brauchte er vier Stunden. Bis dahin ohne Beschwerden zögerte er nicht lange und bog auf die letzte Schleife der großen Runde. Relativ einsam kämpfte er sich so nochmal rund 900 Höhenmeter bergauf. Die Konkurrenz war bis dato weit verstreut. Von den gesamt 2300 Startern hatten sich überhaupt nur rund 400 die größte Tagesstrecke zugetraut.

Währenddessen erlebte der Döbelner Radsport seinen ersten weiblichen Zieleinlauf bei einem Marathon. Sybille Wallrabe fuhr nach sehr zufriedenstellenden 2 Stunden 18 Minuten über Ihre erste Ziellinie und war überglücklich. „Ich habe es geschafft, auch wenn ich ab und zu absteigen musste!“. Sie schaffte es damit auf Platz 52 bei den Damen. Ihr Mann Sven sicherte nach hinten ab und folgte mit wenigen Metern Abstand. „Ich bin sehr stolz und froh, dass es so gut lief.“ war sein Fazit.

Den letzten Gipfel erreichte Jens nach 5 Stunden 20 Minuten. Bei leichtem Regen machte er sich auf die letzte Abfahrt, die es nochmal in sich hatte. „Du musst Dich bis zur letzten Kurve voll konzentrieren, sonst ist es ganz schnell aus“ sagte Böber als er im Ziel nach 5 Stunden 56 Minuten vom Sattel stieg. Damit unterbot er sein persönliches Zeitlimit von 6 Stunden und fuhr auf Platz 91 von 179 Männern seiner Altersklasse.



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