24 Stunden „Grüne Hölle“

 

Keine Spur von Zweifel war in den Gesichtern der vier Döbelner Radsportler zu erkennen als sie am vergangenen Freitag ihre Rennräder auf den LKW verluden. Auch der pünktlich einsetzende unwetterartige Regen ließ sie keine Minute zögern. Ihr Ziel war der Nürburgring und ihre Aufgabe hieß 24 Stunden Radrennen auf der Nordschleife des legendären Motorsportortes. An dem Ort, an dem die Luft üblicherweise nach Benzin und verbrannten Gummi riecht, herrschte am Wochenende Autofreiheit und die Piste gehörte den insgesamt ca. 5000 Teilnehmern des „Rad am Ring“ 2011.

 

Neben den bereits Nürburgring erfahrenen Sportlern des Döbelner SC Uwe Mothes, Sven Wallrabe und Jens Böber startete in diesem Jahr erstmals Marcel Reichelt, der erst vor drei Wochen mit einer souveränen Leistung beim Erzgebirgs Bike Marathon in Seiffen sein Comeback in den Radsport vollzogen hatte. Marcel bestritt an diesem Wochenende sein erstes Straßenrennen und sollte dabei noch eine wichtige Rolle spielen. Verstärkung erfuhren die Fahrer auch durch die mitgereisten Eltern von Marcel, welche neben der Strecke die Betreuung der Döbelner übernahmen. Die Radsportler traten wie im Jahr zuvor als vierer Team an. Jeweils ein Fahrer ist dabei unterwegs und gibt nach einer frei wählbaren Taktik den Zeitmesstransponder als Art Staffelstab an den nächsten weiter.

 

Doch bevor es richtig losging war für die Akteure noch etwas Zeit um die spezielle Atmosphäre des 24 Stunden Spektakels einzufangen. Dabei verwandelt sich das durch Formel 1 und Co. bekannte Motorsportgelände in einen riesigen Campingplatz mit Volksfestcharakter. Wohnmobile und Zelte wohin man schaut. Viele schmücken ihr mobiles Heim mit einer Hingabe, dass man meint sie wollten einen Monat lang bleiben. Die Döbelner haben Glück und finden einen Stellplatz am Rand des Geschehens unmittelbar nach dem bekannten Schuhmacher S. Etwas abseits des Trubels hoffen sie gut schlafen zu können während andere bereits in dieser Nacht durchmachen.

 

Am Samstag um 13:15 Uhr bei blauem Himmel und 30 Grad fiel für das Döbelner Team der seit langem erwartete Startschuss. Als erster ging Jens Böber auf den knapp 26 km langen Rundkurs über die Nordschleife und Teile des Grand Prix Kurses. Von Beginn an wurde ein hohes Tempo gefahren und es wurde sich nichts geschenkt. Der zunächst überwiegend bergab führende Kurs mit seinen engen Kurven verlangt nach Konzentration und Mut. Mit knapp 100 Stundenkilometern rasen die Fahrer auf den tiefsten Punkt der Strecke zu. Danach geht es mehrere Kilometer bergauf, wobei Steigungen mit bis zu 17% erklommen werden müssen. Auf den letzten Streckenabschnitt wechseln sich kurze steile Abfahrten mit ebenso knackigen Anstiegen ab, sodass die Fahrer das Gefühl haben auf einer Achterbahn zu fahren. Böber erreicht nach 44 min das Ende seiner Runde und übergibt an Wallrabe, welcher ebenso beherzt Gas gibt. Als dritter im Team geht Marcel Reichelt auf den Rundkurs und überrascht nicht nur sich selbst. Mit 49 min Fahrzeit hat er eine der schnellsten Rennrunden im Team hingelegt und seine Stärke demonstriert. Als vierter im Bunde startete Uwe Mothes, dem nach der langen Wartezeit die Nervosität deutlich anzumerken war. Auch er erledigte seine Aufgabe sicher und mit einer guten Zeit von 51 min. Danach entschied sich das Team für einen anderen Wechselintervall. Böber und Wallrabe fuhren zweimal eine Runde im Wechsel, danach wieder Reichelt und Mothes. So schufen sie für die nicht aktiven Fahrer größere Pausen. Mit dieser Taktik fuhr das Team in die Nacht hinein, welche einen besonderen Reiz aber auch zusätzliche Belastung für die Teilnehmer ausmacht. Die Strecke ist nur an drei sehr kritischen Stellen ausgeleuchtet. Der Rest des Kurses ist komplett dunkel. Trotzdem gingen es die Döbelner nicht ruhiger an und das Team blieb weiter im Zeitplan. Erst mit der 13. Runde überschritt Uwe Mothes erstmals die Stundengrenze. Die Uhr zeigte dabei aber auch schon knapp nach Mitternacht. Jetzt begann die schwerste Zeit, da die Müdigkeit nicht mehr zu überspielen war. In dieser Phase war die Unterstützung durch die Betreuer sehr entscheidend. So sorgten sie stets dafür, dass der entsprechende Fahrer zur rechten Zeit fahrbereit am Start war, obwohl sie selbst gegen den Schlaf kämpften. Bei allen Aktiven stiegen nun die Rundenzeiten in den Bereich um ein Stunde. Einzig Marcel Reichelt schaffte es konstante Runden von 53 Minuten hinzulegen und unterstrich damit seine Bedeutung für das Team. Bei Hochrechnungen lag das Team teilweise deutlich vor der Vorjahresleistung und es ging den Morgen zuversichtlich an. Mit der Dämmerung schwand die Müdigkeit und die Döbelner wechselten wieder in den Anfangsrhythmus. Selbst der einsetzende Regen am Sonntag konnte ihre Fahrt nicht mehr stoppen. Um 13:08 Uhr überquerte Marcel Reichelt als Abschlussfahrer zum letzten Mal für das Döbelner Team die Ziellinie. Das Döbelner Team beendete so seine 26. Runde und legte damit eine Gesamtstrecke von sagenhaften 670 Km und einen Höhenunterschied von 13650 Metern zurück.  Damit verbesserten sie Ihre Leistung vom Vorjahr um eine Runde und belegten Platz 71 von 646 Teams. In Ihrer AK schafften Sie so einen unglaublichen Platz 17 von 265 Teams.

 

Mit diesem Ergebnis hätte im Vorfeld niemand gerechnet und alle sind mehr als zufrieden. Alle vier Fahrer und die Betreuer haben ein Wochenende lang ihr Bestes gegeben um diesen Erfolg einzufahren. Also große Überraschung zeigte sich die Leistung von Marcel Reichelt, der es schaffte sieben Runden lang unter 55 Minuten zu bleiben obwohl er von allen die wenigste Rennerfahrung mitbrachte.

 

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