24 Stunden „Grüne Hölle“

 

Sie haben es geschafft. Das vergangene Wochenende werden die 4 Radsportler des DSC wohl nie vergessen. Es war das längste und aufregendste, was sie bislang erlebt haben. Uwe Mothes, Reik Zellmann, Sven Wallrabe und Jens Böber stellten sich einer der spektakulärsten Herausforderungen im Radsport: dem 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring in der Eifel.

 

Die Veranstaltung auf der wohl legendärsten Motorsportstrecke versprach unter dem Namen „Rad und Run am Ring“ Rad – und Laufsport auf höchstem Niveau. Neben Rennen über 25, 75, 150 Km für Einzelstarter gab es auch Tourenfahrten für Jedermann und diverse Laufstrecken. Doch die ultimative Herausforderung stellte das 24 Stunden Rennen dar. Dieses konnte auf einer Geländestrecke rund um die Nürburg mit dem Mountainbike oder auf der historischen Motorsportstrecke „Nordschleife“ absolviert werden, wofür sich die Döbelner eingeschrieben hatten.

 

Das Rennen startete am Samstag pünktlich 13:15 Uhr bei traumhaftem Sommerwetter, eher untypisch für die Eifelregion. Mehrere tausend Teilnehmer drängten sich dicht an dicht voller Vorfreude und Ehrfurcht auf der Start – und Zielgeraden des Gran Prix Kurses. Teile der Formel 1 Strecke dienten als Campinglager für die Fahrer sowie als Wechselzone für die Teams. Nur auf diesem ca. 3 Km langen Abschnitt war es erlaubt, den Transponder für die Zeitmessung als Staffelstab von Fahrer zu Fahrer weiterzugeben.

 

Ohne jegliche Absichten auf eine Platzierung aber dennoch mit sportlichem Ehrgeiz ausgestattet hatten sich die Döbelner Biker das Ziel gesetzt 24 Runden zu schaffen. Um dies zu erreichen war nach jeder Runde ein Fahrerwechsel vorgesehen. So hatte jeder Fahrer ca. 3 Stunden Zeit zur Erholung, die bitter nötig waren wie sich bald zeigen würde. Auf dem 25 Km langen Rundkurs mit seinen 76 Kurven waren rund 500 Höhenmeter zu bewältigen, was einer schweren Alpenetappe gleich kommt. Als Erster fuhr Böber. Nach einer kurzen Einführung über den Grand Prix Kurs war es endlich soweit: die Nordschleife rief. Die ersten 10 Km ging es, unterbrochen von wenigen sehr steilen Rampen, rund 300 Hm bergab. Konzentration, Mut und Radbeherrschung waren gefragt um im Getümmel schnell und sicher voranzukommen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit ging es durch die teils engen und nicht enden wollenden Kurven. Im Windschatten wurde Rad an Rad um Positionen gekämpft als wäre es bereits die letzte Runde. Einen Blick auf den Tacho: unmöglich. Mit dem Streckenabschnitt Breitscheid war der tiefste Punkt erreicht. Es folgte ein kraftraubender Anstieg mit bis zu 17% Steigung in Richtung Karussell und Hohe Acht, dem höchsten Punkt der Strecke. Auf den letzten 10 Km zum Ziel folgte ein ständiges Auf und Ab ohne Zeit für Erholung aber mit jeder Menge Fahrspaß. Nach bereits 42 min waren die ersten 25 Km geschafft und Böber übergab seinen Transponder an Wallrabe. Es folgten Mothes und Zellmann. Die Stimmung war gut bei den Fahrern, nachdem sie alle ihre erste Runde gedreht hatten. Voller Adrenalin berichtete Böber: „Ich hatte nach 13 km einen Schnitt von 48 Km/h und an der schnellsten Stelle zeigte mein Tacho 100,51 km/h, irre! Das ist wie Achterbahn fahren. Die Kurven sind so eng und lang aber alle etwas überhöht, der Asphalt ist super griffig, da kann man ohne zu bremsen mit 70 Sachen voll reinhalten.“

Als Reik Zellmann seine 2. Runde beendete, dämmert es bereits. Jetzt wurde es doppelt so schwer. Die Strecke war komplett unbeleuchtet, sodass jeder für sein Licht sorgen musste. Doch auch die beste Lampe kam nicht gegen so viel Schwarz an. Da war die Rückleuchte des Vordermanns noch die beste Orientierung. Bei angenehmen 18 Grad war die Nacht weniger kraftraubend als der Tag mit teilweise 35 Grad. Dies ließ darauf hoffen, diese Zeit ohne große Probleme zu überstehen. Doch es zeigte sich, dass die Tücken weniger beim Fahrer liegen als viel mehr bei denen, die nicht fahren müssen. Die Umgebung des Camps und die Geräuschkulisse machten es sehr schwer trotz Müdigkeit schnell einzuschlafen. 3 Stunden Pause waren schnell vorbei, schließlich galt es sich ja auch um trockene Kleidung, Nahrung und Getränke und andere menschliche Bedürfnisse zu kümmern. So geschah es, dass Zellmann gegen 4:15 Uhr keinen Teampartner zum Wechseln vorfand. Böber, der als nächster dran war, hatte doch noch etwas Schlaf gefunden und vor Müdigkeit vergessen seine Wecker zu stellen. Dadurch verlor das Team ca. 9 min, doch Vorwürfe gab es keine, schließlich hatten alle zu kämpfen.

Mit Sonnenaufgang stieg bei allen wieder der Ehrgeiz und die Rundenzeiten sanken. Das Team machte nun erste Hochrechnungen ob das erklärte Ziel erreichbar ist und stellte fest, dass es mit einer Runde vor Zeitplan gut im Rennen lag. Sogar eine weitere Bonusrunde lag in greifbarer Nähe. Man musste nur vor 12:45 Uhr, dem Zielschluss, das letzte Mal über die Linie kommen. Alle vier mobilisierten nochmal ihre letzten Kräfte und kämpften bis zum Schluss. Trotz sehr guter Rundenzeiten fuhr Böber um 12:58 Uhr nach seiner 7. Und der insgesamt 25. Runde ins Ziel. Das Rennen war vorbei.

 

Überglücklich und erlöst stießen die vier mit einem gut gekühlten Blonden, natürlich alkoholfrei, auf ihren Triumpf an. Hinter Ihnen liegen 24 Stunden auf der Nordschleife mit 625 Km und 12500 Höhenmetern und eine Rundenzeit von 56,9 min.

Der O-Ton im Team: „Wir haben die „Grüne Hölle“ besiegt, ohne Sturz, ohne defekt, dafür mit jeder Menge Spaß und Adrenalin.“

Das Ergebnis, fast nebensächlich eben dennoch beachtenswert: Platz 179 von 661 in der Gesamtwertung und Platz 73 von 285 in der AK-Wertung.



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